Wie Österreich die Entwicklung bemannter Kleinluftfahrzeuge vorantreibt

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ermöglichten es österreichischen Unternehmen am internationalen Markt für Kleinflugzeuge als Technologietreiber erfolgreich mitzuspielen.

Die österreichische Kompetenz bei bemannten Kleinluftfahrzeugen entstand aus dem Zusammenspiel von Flugzeugentwicklung, Antriebstechnologie und luftfahrttechnischer Forschung. Während große Verkehrsflugzeuge von wenigen internationalen Konzernen dominiert werden, bieten Kleinflugzeuge Raum für neue Ideen und technologische Innovationen.

Österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen nutzten diese Chance frühzeitig, um Kompetenzen in der Entwicklung effizienter Flugzeuge, moderner Jet-Fuel-Motoren sowie elektrischer und wasserstoffbasierter Antriebssysteme aufzubauen.

Kleinflugzeuge eignen sich besonders gut als Technologieplattform, weil neue Konzepte hier schneller erprobt und zur Marktreife gebracht werden können als im Großflugzeugbau. So entstand über die Jahre ein Innovationsökosystem, das heute wichtige Impulse für die nachhaltige Luftfahrt der Zukunft liefert.

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten haben österreichischen Unternehmen ermöglicht, international als Technologietreiber bei Kleinflugzeugen mitzuwirken.

Diamond Aircraft: Nachhaltigkeit durch innovative Antriebstechnologien

Diamond Aircraft setzte seinen Kurs auf nachhaltige Luftfahrt fort und entwickelte die DA62, ein zweimotoriges Leichtflugzeug mit Jet-Fuel-Dieselmotoren, das mit Dieselkraftstoff betrieben wird. Gemeinsam mit Austro Engine, einem Tochterunternehmen von Diamond Aircraft, wurden umweltfreundliche, kraftvolle Jet-Fuel-Motoren entwickelt und produziert.

Ein herausragendes Beispiel ist die Entwicklung des E4-Motors, der in der DA40, DA42 und DA62 eingesetzt wird. Dieser Motor zeichnet sich durch hohe Effizienz und geringe Emissionen aus. Im Bereich der Elektromobilität kündigte Diamond Aircraft 2021 die Entwicklung des eDA40 an, eines vollelektrischen Trainingsflugzeugs, das auf der bestehenden und zertifizierten DA40-Plattform basiert. Das Unternehmen strebt an, das erste EASA/FAA CS/Part 23-zertifizierte Elektroflugzeug zu entwickeln.

Austro Engine: Entwicklung von Hybrid- und Wasserstoffantrieben

Austro Engine, bekannt für die Entwicklung von Diesel- und Jet-Fuel-Motoren, startete ein Erprobungsprojekt zur Entwicklung eines Triebwerks, das sowohl Jet Fuel und Diesel als auch Wasserstoff verbrennen kann. Das Ziel ist es, ein Triebwerk zu schaffen, das flexibel in der Brennstoffwahl ist und somit die Verfügbarkeit von Wasserstoff in der Einführungsphase dieses Energieträgers berücksichtigt.

Zusätzlich wurde das H2EDT-Projekt ins Leben gerufen, das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des "Take Off"-Programms gefördert wird. In Zusammenarbeit mit der FH JOANNEUM, der Technischen Universität Graz, HyCentA und IESTA entwickelt das Team eine modulare Testplattform im Maßstab 1:2, die sowohl konventionelle Zwillingsmotorflugzeuge als auch aufstrebende VTOL-Konfigurationen simulieren kann. Das System integriert bis zu zehn Elektromotoren, Batterien, eine Wasserstoff-Brennstoffzelle und Wasserstoffspeicher an Bord.

AIT (Austrian Institute of Technology)

Antrieb & Sensorik für UAM: Die Abteilung für Propulsion Technologies forscht an hybriden und elektrischen Antriebssystemen für Kleinluftfahrzeuge. Die Abteilung 3D-Vision and Modeling bearbeitet Bildverarbeitungsalgorithmen sowie 3D-Umfeldsensorik, wichtig für autonome Navigation.

FH JOANNEUM

Flugtechnik & drahtlose Kommunikation: Das Institut bringt Expertise in Aerodynamik und Flugtechnik ein und arbeitet im Bereich drahtlose Kommunikation an PIDSO-Antennen und -systemen.

TTTech & TU Wien

Sichere Vernetzung & Effizienzsteigerung: TTTech konzentriert sich auf robuste Netzwerke und Sicherheitssteuerung im Flugverkehr. Die TU Wien untersucht Effizienzsteigerungen bei Antrieben von Drehflüglern.

Innovation BoosterSicherheit, Nachhaltigkeit & Automation

Ein weiterer Fokus liegt auf der Integration neuer Technologien wie hybrider und elektrischer Antriebe, Wasserstofftechnologien, strukturintegrierter Energiespeicherung sowie digitaler Simulation und Vernetzung. Die Innovationsbooster schaffen die Rahmenbedingungen, um Konzepte schneller zu testen, Pilotprojekte in realer Umgebung durchzuführen und regulatorische Anforderungen frühzeitig zu berücksichtigen. So wird ein nachhaltiger Innovationszyklus ermöglicht, der Forschung, Entwicklung und industrielle Umsetzung miteinander verbindet.

Diesel- und Hybridantriebe: Technologie für hohe Effizienz und Umweltfreundlichkeit in Kombi mit Fly-by-Wire-Systemen und hybriden Antriebssystemen.

Sensorintegration & Automatisierung: Forschung zu Hindernisdetektion im Flug, bei Nacht und anspruchsvollen Einsatzbedingungen, mit Blick auf automatisiertes Fliegen.

Einzigartige Leistungen

  • Erste Jet-Fuel-taugliche, zweimotorige Kleinflugzeuge
  • Fluggeräte mit Hybridantrieb
  • Vollautomatisierte Fluggeräte, Erprobung von Fly-by-Wire in der Kleinluftfahrt sowie intelligente, vernetzte Fluggeräte (IoT, Smart Cockpits)
  • Emissionsarmes bzw. sogar emissionsfreies Fliegen

Darin liegt Entwicklungspotential

  • Elektrifizierung und alternative Antriebe: Weiterentwicklung hybrider, elektrischer und wasserstoffbasierter Antriebssysteme zur Reduktion von Emissionen, Geräuschentwicklung und Betriebskosten.
  • Digitale Vernetzung und Autonomie: Integration smarter Avionik, Assistenzsysteme und fortschrittlicher Cockpitlösungen, um Sicherheit, Effizienz und automatisierte Flugfunktionen zu verbessern.
  • Leichtbau und Effizienzsteigerung: Nutzung innovativer Materialien, Verbundwerkstoffe und optimierter Aerodynamik, um die Flugleistung zu erhöhen und gleichzeitig Gewicht und Energieverbrauch zu reduzieren.

Meilensteine